Die Geschichte des Störs und des Kaviars ist geheimnisvoll und fesselnd.

Vor 6000 Jahren kannte man den Kaviar als Fischeier, welche man in Salz in Ton- oder Keramiktöpfen marinieren ließ, bevor man sie zu sich nahm.

Während die Könige in Mesopotamien nach Störeiern verrückt waren verzehrte man in Deutschland vor allem Karpfeneier.

Vor den Griechen belegen Alte persische Schriften die Existenz des Wortes Khâvyâr aus Störeiern. Dessen Etymologie soll vom alten persischen Wort Mâhi-e khâya-dâr abstammen, der Fisch der Eier trägt bedeutet und dass logischerweise im Lauf der Tausende von Jahren einige Abwandlungen erfährt. Immer wieder wird es, je nach Sprache, neu interpretiert und mündet in Worte wie Khayak, Havyar, Caviaro, Ikra …

Beim Zusammenbruch des Römischen Kaiserreiches war der Kaviar in Europa aus der Mode gekommen. Er wurde nur noch von Fischern und dem Volk gegessen und zwar als Brei. An die Herrschenden und die Könige verkauft wurden nur die Fische.

Ab dem X. Jahrhundert erfährt der Handel mit dem Stör und dann mit dem Kaviar unter dem germanischen und dem russischen Einfluss einen unvergleichlichen Aufschwung.

Im Jahre 988 setzt der Großfürst von Kiew, Vladimir I., das orthodoxe Christentum als offizielle Staatsreligion durch und der Störfischfang nimmt rapide zu. Aber erst 1199 entsteht für die Länder der Nordsee mit der Gründung einer Hanse (Gotland) ein offizielles Bündnis, das die Entwicklung des Handels mit dem Fisch und Kaviar zwischen den Slawen und dem Mittelmeerraum ermöglicht.

« Man muss ihnen Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld geben, damit die Chemie abläuft »
Ahmad Shiroudian
Persischer Kaviarmeister

In der Renaissance handelten die Genueser und die Venezianer mit ganz Europa und während ihrer Reisen verzehrten sie Stör aus x- beliebigen Provinzen. Im Jahre 1475 bringt Bartolomeo Sacchi, Platina genannt, ein Kochbuch mit allerlei opulenten Rezepten auf der Basis von Stör und Kaviar heraus und lobte dabei die aus Griechenland kommende Versorgung.

Ab dem XVII. Jahrhundert realisieren die russischen Großfürsten, dass die Eier des berühmten Störs viel edler sind als der Fisch selbst und erklären den Handel damit zur Chefsache.

Im Jahre 1675 verkündet der Tsar Alexeï Mikhaïlovitch I., dass der Kaviarfang von nun an ausschließlich dem Staat vorbehalten ist.

Einige Monate später unterschreibt er mit deutschen Händlern aus Hamburg, Belkens und Ferpoten, einen Ausfuhrvertrag von historischer Tragweite. Mit denen vertrieb er mehr als 200 Tonnen Kaviar in 10 Jahren.

Der Kaviar erringt an allen königlichen Höfen Europas den Status einer seltenen, sehr edlen Speise. Peter der Große und die russische Zarin Katharina I. nehmen aktiv am ökonomischen Aufschwung des Hafens von Astrachan teil, der zum bedeutsamen Knotenpunkt des Handels mit dem russischen Kaviar avanciert.

1850 werden die USA dank des weißen Störs die ersten Kaviar-Erzeuger in der Welt. Doch der Gipfel der Ironie ist: sie mögen weder dessen Fleisch noch dessen Eier und mehr als 80% der Produktion wird nach Europa exportiert.

1869 erblickt in Hamburg das deutsche Unternehmen Dieckman & Hansen Company das Licht der Welt. Dann lässt es sich in der Stadt Khabarovsk nieder, um von dort aus asiatischen Stören und Kaviare aus dem Fluss Amur zu exportieren.
Bis heute ist es die älteste Kaviar Produktionsstätte der Welt.

1917 gehen in Petrograd die Menschen auf die Straße und schreien: « Nieder mit dem Krieg! », « Nieder mit der Autokratie! ». Der russische Adel verlässt das Land und geht nach Westeuropa. Manche lassen sich in Paris, der Stadt der Liebe, nieder und geben sich bei Kaviar aus dem Kaspischen Meer und Wodka dem Rausch der russischen Nostalgie hin. Der Kaviar demokratisiert sich.

Die Nachfrage wächst und wächst und so beschließen Iraner und Russen 1927 eine gemeinsame Gesellschaft ins Leben zu rufen, Irano-Soviet Fishing, um die Nutzung und den Vertrieb der Produkte aus dem Kaspischen Meer zu organisieren.

1953 wird im Iran um die Wette nationalisiert. So wird die neue iranische Fischgesellschaft in Sherpa Sahami Shilat Iran (Sherkat-e sahami-e shilat-e Iran) umgenannt.

Dies entspricht in der Welt des Kaviars einer Revolution, fürwahr! Der so genannte Malossol Kaviar wird zum Nonplusultra der Lebenskunst der oberen Zehntausend. Die großen Champagner Kenner bevorzugen den iranischen Kaviar zum Nachteil des russischen, der für ihren Geschmack zu salzig ist.

Der Shah von Persien, als subtiler Kenner, trägt dazu bei, dass auf keiner Festtafel dieser Welt die schönen blauen Dosen mit der Aufschrift Iranian Caviar fehlen.

Der iranische Kaviar kennt von da an bis Ende der 90er Jahre einen beispiellosen Aufschwung und dann geht es plötzlich mit den jährlichen Vorräten des Kaspischen Meeres rapide bergab.

Es gibt keinen Stör mehr! Überfischung, Überproduktion …

Das ist wahrhaft ein Schock! 2006 verbietet das UNO unterstellte Abkommen CITES die Ausfuhr von Störprodukten aus dem gemeinsamen Vorrat. Ganz besonders betroffen sind dabei diejenigen aus dem Kaspischen Meer!

Wildkaviar wird allmählich durch Zuchtkaviar ersetzt. Zuchtkaviar kann jedoch aus vielen verschiedenen Quellen stammen, mit unterschiedlichen Ausbeutungsqualitäten und Variationen in Bezug auf Eigen- und Geschmackswerte.

Die Kaviar Zuchtfarmen und die Vertriebsgesellschaften sprießen wie durch ein Wunder aus dem Boden. Die wenigsten unter ihnen können sich rühmen, über das nötige uralte Know-how zu verfügen und an eine Qualität heranzukommen, die an die des wilden Kaviars heranreicht.

Das ist der Grund warum Aurea Ova 2016 ins Leben gerufen wurde: um mit der Entdeckung der Meeresschätze den Ansprüchen einer Klientel aus Liebhabern, aus Laien sowie aus erfahrenen Kennern der Branche zu genügen.

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